4. und letzter Bericht

Immenstaad, den 2.9.2003

 

Liebe Freunde,

inzwischen sind wir fast alle - nach langer Reise - wieder in München bzw. am Bodensee eingetroffen. Hier fand ich nun endlich die Zeit für eine kleine statistische Auswertung unserer Flüge, die den Einen oder Anderen von Euch/Ihnen abschließend noch interessieren mag.

Insgesamt haben wir unsere Flieger 92 mal gestartet. In Nepal waren es 30 Flüge mehr, was daran lag, dass wir dort über zwei Wochen stationär in Jomsom mit zwei Modellen gleichzeitig geflogen sind. Auch mussten wir diesmal mehr Tage für Standortwechsel ansetzen, hatten also weniger Messtage.

86 dieser Flüge erbrachten auswertbare Daten für die Meteorologen. Die restlichen 6 Flüge waren entweder reine Demo- bzw. Fotoflüge oder (2 x) mit einem Datenverlust aufgrund irrtümlicher Fehlbedienung des Messsystems verbunden.

Die insgesamt erflogenen Höhenmeter waren in Bolivien recht genau 140.000. Die mittlere Gipfelhöhe der Flüge war mit 1584 m ganze acht Meter mehr als vor zwei Jahren. Zwei Effekte haben diesmal eine größere Höhe (es wäre leicht ein Mittelwert von 1800 bis 2000 m möglich gewesen) verhindert:

- An einem Messplatz begrenzte Nachmittags die Bewölkung das Steigen auf ca. 1300 m. Wir mussten die Steigflüge abbrechen, um die Flieger nicht in den Wolken zu verlieren.

- Bei etwa einem Viertel der Flüge bekamen wir Probleme mit den Antrieben (Regler, Motor), die in unterschiedlichen Höhen auftraten und in der Regel ein Weitersteigen nicht mehr zuließen.

Die Anzahl der Flüge über 2000 m war mit 24 genau doppelt so hoch wie in Nepal. Wenn also alles stimmte, gab es wirklich phantastische Höhen.

Für unsere Flüge setzen wir praktisch nur zwei alte Modelle ein, die auch schon im Himalaya gute Dienste geleistet hatten. So flog Kali Nr. 6 52 mal und hat inzwischen über 100 Flüge auf seinem Konto. Er wird im Winter höchstwahrscheinlich einen Platz in einem Museum bekommen. Kali Nr. 9 flog 40 mal und kam auf knapp 60 Flüge. Wegen einer Funkstörung im Landeanflug vollbrachte er eine Landung im Rückenflug und wurde mit leichten (im Notfall über Nacht zu reparierenden) Bruchschäden ausrangiert. Die fünf noch ungebrauchten Flieger wurden nicht angetastet und stehen für zukünftige Einsätze zur Verfügung.

Und damit bin ich bereits bei der Schadensbilanz, die noch besser aussieht als vor zwei Jahren: Neben der unplanmäßigen Landung von Kali 9 gab es nur noch 2 angebrochene Höhenleitwerke, drei gebrochene und ein paar gelockerte Ruderhörner, eine abgerissene Antenne und ein gutes halbes Dutzend gebrochene Nylonschrauben, aber die sind ja deshalb aus Nylon, damit sie kaputt gehen und Schlimmeres verhindern können.

Gelegentlich haben wir unsere Modell mit einer kleinen Web-Cam ausgerüstet und 400 Fotos sowie 15 Videos per Fernsteuerung eingefangen. Natürlich mit einer gewissen Quote an Ausschuss, denn manchmal ist nur blauer Himmel zu sehen.

Noch ein paar Fakten in Zahlen:

- akkumulierte Flugzeit: 27 h 41 min, macht im Schnitt 18 min pro Flug

- tiefstgelegener Startplatz: 2500 m NN (Tal des Rio de La Paz)

- höchstgelegener Startplatz: 4650 m NN (Pass von Tambo Quemado)

- größte erflogene Höhe über Grund: 3217 m, bzw. über NN: 7477 m (Philip in Silala)

- höchstgelegener Lagerplatz: 4610 m NN (Milluni)

- höchste Straßenpassage: 4940 m NN (Sol de Mañana)

- tiefste im Flug registrierte Bordtemperatur: -26 °C

- tiefste Temperatur beim Zelten: -12 °C (Silala)

- tiefste Temperatur am Boden: -17 °C (Laguna Verde, wir übernachteten zum Glück in der
Lodge)

 

Wir drei Piloten hoffen, den Meteorologen auch auf dieser Expedition wieder einen guten Dienst erwiesen zu haben. Es liegt nun an ihnen, die vielen gesammelten Daten — natürlich auch die aus den Ballonaufstiegen — auszuwerten und zu einem Gesamtbild der Windverhältnisse auf dem Altiplano zusammenzufügen.

 

So bleibt uns noch zum Abschluss, uns bei den diversen Organisationen und Firmen zu bedanken, die mit ihrer finanziellen bzw. materiellen Unterstützung, ihrem Rat und ihrer Erfahrung unsere Forschungsreise tatkräftig unterstützt haben. Diese sind:

 

die Volkswagenstiftung als Hautsponsor des Gesamtvorhabens

Ing.-Büro Dieter Würtenberger wissenschaftliche Nutzlast (MiniLogger)

Robbe Modellsport Fernsteuersysteme

Modellbau Ulrich Flügelbau

Carl Zeiss Kopfferngläser

Simprop Electronic Motorsteller, Ladetechnik, Zubehör

Hacker Antriebstechnik Motoren

Blue Airlines Rümpfe

Batt-Mann Akkus

MSTE Salem Solar-Ladetechnik

Maxon Motor Getriebe

Ikarus Kreisel

 

Allen abschließend ein herzliches Dankeschön.

Mit besten Grüßen,

Wolfgang Schäper







 MFG-Markdorf, 03.09.03